Richard Tuttle & Mei-mei Berssenbrugge: Hello, The Roses

6. Oktober 2012 – 25. November 2012

Schon häufig hat der amerikanische Künstler Richard Tuttle mit Dichtern zusammengearbeitet. Seine erste Münchner Ausstellung seit 1973 hat er nun zusammen mit Mei-mei Berssenbrugge entwickelt, von deren Gedicht Hello, The Roses der Ausstellungstitel abgeleitet ist.

Speziell für die Räume des Kunstvereins München hat Tuttle 26 Werke angefertigt, die Berssenbrugge nach gemeinsamer Absprache erstmals zu Gesicht bekam, als beide in München waren. Die Lyrik ist aber auch deshalb der Schlüssel zur Ausstellung, weil Tuttle mit der Installation seiner Arbeiten auf eine vierteilige Gedichtreihe Berssenbrugges über die Kommunikation mit Pflanzen reagierte, die sie während des Aufbaus laut vortrug.

Indem sie auf diese Weise das Werk des jeweils anderen miteinbeziehen, nutzen Tuttle und Berssenbrugge das Ausstellungsformat als einen Ort der Verwirklichung. Ihre zweifache Präsenz symbolisiert ihre individuellen Arbeitsprozesse – das Schreiben und das Kunstmachen. Zusammen verwandeln sieHello, The Rosesin einen spirituellen Ort, in eine Synthese aus bildender Kunst und Dichtung, die aus einer Verschmelzung von Objekt, Sprache und Raum erwächst.

Tuttle setzt sorgfältig zusammengestellte Alltagsmaterialien ein, die im Rahmen traditioneller ästhetischer Formen üblicherweise nur eine Randexistenz führen. Verglichen mit dem Poetischen, werden seine Werke auf verwandte Weise durch ihre eigene Konstruktion verortet – sie verkörpern ihre Präsenz im Raum also auf ähnliche Weise wie die Poesie die ihre mittels der Sprache.

The Great Outdoors

Bart van der Heide

Werke in der freien Natur stehen innerhalb der Kunstgeschichte immer wieder für den Wunsch, Erfindungsreichtum, Fluchtgedanken und alternative Wertsysteme wirkungsvoll zum Ausdruck zu bringen. Dies gilt auch für die kritischen Äußerungen der künstlerischen Avantgarde der 1970er Jahre. Der Beitrag des amerikanischen Künstlers Michael Asher für dieSkulptur.Projektein Münster 1977 war beispielsweise ein Wohnwagen. Dieses bürgerliche Sinnbild individueller Freiheit parkte während der gesamten Ausstellung jede Woche in einem anderen Teil der Stadt und ist für die Künstlergeneration, die die Institutionalisierung der Kunst aufheben und ihr entkommen wollte, längst zu einem Symbol geworden. Asher hat das ästhetische Gehäuse des Ausstellungsraumes faktisch verlassen und sich nach draußen begeben, um mit den dort vorhandenen gesellschaftlichen Kräften in Kontakt zu kommen.

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