11. Oktober 2014 – 30. November 2014

Kuratiert von Saim Demircan

Die Ausstellung vereint ungewöhnliche Projektvorschläge für Kunst im öffentlichen Raum, satirische Ideen sowie nicht realisierte Auftragsarbeiten, die im Rahmen der aktuellen Diskussionen über die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum neue Strategien sichtbar machen. Die in Regenerate Artgezeigten Werke verweigern sich den herkömmlichen Strukturen, die unsere Städte formen, und demonstrieren, dass gerade in der Nichtrealisierung eines Projekts das Potenzial liegt, Kunst zu schaffen und kritische Aussagen zu formulieren.

Aufschlussreich sind solche hypothetischen Herangehensweisen insbesondere deshalb, weil sie die Umstände und Bedingungen transparent machen, unter denen die Auftragsvergabe für Kunst im öffentlichen Raum abläuft. Die Arbeiten in der Ausstellung zeigen die Sichtweise des Künstlers oder eines fiktiven Auftraggebers und spekulieren über die Machenschaften, die bei der Vergabe von Kunst im öffentlichen Raum hinter dem Versprechen auf Erneuerung stehen. Maßgeblich für den Charakter der Projekte in der Ausstellung sind der spezifische Kontext und die jeweiligen lokalen Bedingungen an bestimmten Orten in Deutschland, Estland, den Balkanstaaten und England, wo Kunst von Stadtplanern als Strategie eingesetzt wird, um entweder zur Wertschöpfung beizutragen, als ästhetische Problemlösung zu fungieren oder sanierungsbedürftige Viertel mit Leben zu füllen. Regenerate Art schafft hier einen alternativen Gegenentwurf, in dem die Werke für den öffentlichen Raum ihren jeweiligen Kontext reflektieren und die Künstler auf die Bedingungen reagieren, die sie im Rahmen neoliberaler Kulturpolitik vorfinden – etwa die Privatisierung des öffentlichen Raums und die Instrumentalisierung des Künstlers.

Die Ausstellung zeigt zudem, wie Künstler auf humorvolle oder kritische Weise mit bestimmten ideologischen und formalen Vorstellungen von Kunst im öffentlichen Raum umgehen. So stellt beispielsweise Lukas Duwenhöggers nicht realisierter Vorschlag für ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen das herkömmliche Verständnis ästhetischer Monumentalität in Frage, während Aleksandra Domanovic’ Filmessay Turbo Sculpture ein Phänomen vor Augen führt, das sich seit Kurzem auf dem Balkan beobachten lässt: Öffentliche Skulpturen orientieren sich in diesen sogenannten post-ideologischen Gesellschaften nicht mehr länger an den bisher üblichen heroischen Darstellungen, sondern nunmehr an den Helden der westlichen Pop-Kultur. Statt auf Archivmaterial und Dokumentationen setzt Regenerate Art dabei auf das visuelle Moment, um die Bedeutungen anschaulich zu machen, die mit der Vorstellung von regenerativen Funktionen der Kunst verknüpft sind – sei es im Hinblick auf den städtischen Raum, als Mittel zur kulturellen Heilung oder im Verhältnis zum Körper.