Archivraum
29. Februar 2020 - 31. Dezember 2025
In Auseinandersetzung mit den architektonischen Gegebenheiten des Kunstverein München hat der Künstler Julian Göthe einen konzipiert, der von 2020 bis 2025 ein fester Bestandteil des Institution war.
Im Vorfeld des zweihundertjährigen Jubiläums im Jahr 2023 gab dieser der Verhandlung sowie der Aufbewahrung der Geschichte der Institution einen konkreten Ort. Darüber hinaus wurde er zentraler Raum für öffentliche Formate, die in Kooperation mit Archivar*innen, Historiker*innen und Künstler*innen konzipiert wurden und mit denen sich der Kunstverein einer kritischen Reflexion der eigenen Geschichte und ihren Leerstellen unterzog.
Die Zusammenführung von Aufbewahrungs- und Veranstaltungsort erlaubte eine genaue Untersuchung des Auftrags und der Dringlichkeit der Institutionsform im historischen Kontext. Dabei sollte es zum einen um die methodologische Frage von zukünftiger Wissensorganisation jenseits der Unterbringung des historischen Materials im Münchner Stadtarchiv gehen. Zum anderen sollte der Frage nachgegangen werden, wie man die Aufarbeitung des Archivs mit künstlerischen Arbeiten, die zu einer lebendigen wie komplexen Lektüre der Geschichte einladen, verbinden kann. Durch diese Verknüpfung wurde eine vielschichtige und subjektive Annäherung an das Archiv ermöglicht.
In seiner künstlerischen Praxis, die Collage, Skulptur, Zeichnung und Installation umfasst, setzt sich Julian Göthe (geb. 1966 in Berlin) mit epochalen und randständigen kulturgeschichtlichen Abschnitten auseinander. Referenzen auf Gestaltungsideen des Art Déco, Set-Dekoration und eine alltägliche Anwendung modernistischer Formen überlagern sich in seinem Werk und fanden sich auch in der Gestaltung des Archivraums wieder. So ist eine raumgreifende künstlerische Arbeit entstanden, welche die Konventionen der Hängung von Kunstwerken in den letzten zwei Jahrhunderten, Raumhierarchien und die Reaktion auf die klassizistische Strenge der Architektur aus dem frühen 19. Jahrhundert befragt. Die skulpturale Behausung des Archivs von Julian Göthe gab den Dokumenten und dem damit verbundenen Diskurs einen festen Ort im architektonischen und programmatischen Zusammenhang der Institution und bildete dabei sowohl Vorder- als auch Hintergrund, Veranstaltungs- und Bühnenraum für die Verhandlung der Geschichte des Kunstvereins.
Von September 2020 bis Dezember 2025 waren ausgewählte Materialien aus der Geschichte des Kunstvereins im Archivraum zu sehen sein, die in Resonanz mit der jeweiligen Ausstellung traten und Bezugnahmen und Brüche ermöglichten.
Interview zwischen Julian Göthe und Quirin Brunnmeier auf gallerytalk.net
Der Archivraum wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung von Holzrausch.
Ansichten: Archivraum im Kunstverein München, 2020; Courtesy Kunstverein München e.V.