Dispositiv Workshop, Teil 6
Ein Retrospektives Projekt, Rikrit Tiravanija
20. September - 26. September 2004
Die prozessabhängige Kunst Rirkrit Tiravanijas (Buenos Aires / Bangkok / New York / Berlin) problematisiert Vorstellungen des Reisens, des Alltäglichen, kultureller Kontexte und Beziehungen. Diese Arbeitsweise, für die er den Weg geebnet hat, erscheint heute – in einigen Zusammenhängen – allzu oft als verwässert, als Geste oder gar als formalistisch. Daher scheint die Zeit reif zu sein, sich wieder mit seiner besonderen Art der gesellschaftlich interaktiven und siuationsbasierten Kunst zu beschäftigen, um die Kriterien der Evaluierung und ähnliche Fragen zu diskutieren. Dieser Rückblick wird in Form eines retrospektiven Projekts stattfinden.
Tiravanjias Arbeiten beinhalten ein hohes Maß an Offenheit, in dem Sinne, dass eine soziale Situation von den TeilnehmerInnen geschaffen und intensiv gestaltet wird und konzentriert sich sowohl auf die immer neue Benutzbarkeit von Raum, als auch auf die Umstrukturierung von alltäglichen Aktivitäten. In der Form eines 6- tägigen Workshops mit dem Künstler werden einige seiner früheren Arbeiten in Zusammenarbeit mit KunststudentInnen diskutiert und erkundet. Das Projekt ist ein Experiment, in dem Sinne, wie seine Arbeit neu vermittelt werden kann – in einer neuen Situation – in einer neuen Zeit – mit neuen Leuten – aber auch mit der Kategorie von Leuten, nämlich StudentInnen, mit denen er bereits in der Vergangenheit regelmäßig zusammen gearbeitet hat. Da seine Arbeit exemplarisch ist, wird es auch eine Untersuchung geben wie eine bestimmte Art von ortsspezifischer, oder viel mehr kontext-sensibler Arbeit in Zeit und Raum übertragen werden kann oder nicht.
Im Mai 2004 fand im Kunstverein München ein erstes Treffen, sowohl mit KunststudentInnen, die Tiravanija in letzter Zeit unterrichtet hat (Städelschule, Frankfurt; Copenhagen Academy; University College of Fine Arts, Stockholm), als auch mit StudentInnen der Akademie der Bildenden Künste in München, statt. Zusätzlich nahmen auch KuratorInnen, KritikerInnen und KunsthistorikerInnen, die sich zur Zeit mit Tiravanijas Arbeit befassen, an dem Treffen teil. Diese TeilnehmerInnen kehren nun in den Kunstverein München zurück, um in einem Workshop (20. – 26. September 2004) die Problematik einer Rirkrit Tiravanija Retrospektive zu diskutieren und seine Arbeit Untitled – Angst essen Seele auf (1994) zu rekreieren. Diese Arbeit basiert auf Rainer Werner Fassbinders Film von 1973 mit dem gleichen Titel.
Ein Retrospektives Projekt ist der sechste Teil der Projektreihe Dispositive Workshop, in dem KünstlerInnen eingeladen sind Projekte in Zusammenarbeit mit einer Gruppe aus München zu realisieren.