Lukas Gschwandtner
Möbelstücke etc.
27. Juni 2026 – fortlaufend
Eröffnung: Freitag, 26. Juni, 19 Uhr
Stühle, Bänke, Sockel, Vitrinen und Tische sind die stillen Begleiter institutionellen Lebens. Sie tragen Körper und Objekte, lenken Aufmerksamkeit und strukturieren Begegnungen, obwohl sie scheinbar kaum etwas tun. Möbelstücke etc., die erste institutionelle Ausstellung von Lukas Gschwandtner, rückt sie in den Vordergrund.
Sowohl zum Gebrauch als auch zur Kontemplation gedacht, kann man sich auf Gschwandtners Werke setzen, sich daran anlehnen, sich um sie versammeln oder sie einfach nur betrachten. Weder ganz Skulptur noch bloß Möbel, laden sie gleichermaßen zur Präsentation wie Interaktion ein und lassen die Strukturen, die normalerweise das Erfahrbare umrahmen, selbst zur Erfahrung zu werden.
Für das Foyer des Kunstverein München konzipiert, knüpft das Projekt an eine Geschichte künstlerischer und architektonischer Interventionen außerhalb der Ausstellungsräume an, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Ausgangspunkt von Möbelstücke etc. ist nicht einfach ein leerer Raum, sondern ein Ort, der bereits über Jahrzehnte hinweg von Erweiterungen, Veränderungen und Umnutzungen geprägt wurde. Der Kunstverein, der Hofgarten und die Arkaden sind alle von sukzessiven Transformationen gezeichnet, in denen Rekonstruktion und Erhaltung mit neuen Elementen und älteren Formen koexistieren.
Gschwandtner begegnet diesen Transformationen weder als etwas, das bewahrt werden muss, noch als etwas, das überwunden werden soll, sondern vielmehr als Werkstoff. Mit einem bewusst reduzierten Vokabular aus Leinwand, Metall und Glas werden bestehende Formen nicht reproduziert, sondern übersetzt: Volumen werden in Oberflächen überführt, Details zu Reliefs verdichtet und räumliche Strukturen zu skulpturalen Fragmenten komprimiert.
Die Ausstellung versteht sich nicht als feste Installation, sondern als Arrangement, deren Elemente im Laufe der Zeit verschoben und neu kombiniert werden können. Mit unterschiedlichen Nutzungen verändern sich auch die Beziehungen zwischen den Arbeiten. Anstatt das Foyer in einer endgültigen Form zu stabilisieren, begreift Möbelstücke etc. es als eine sich fortwährend entwickelnde Umgebung, die durch kontinuierliche Aneignung und Gebrauch geformt wird. Entsprechend bleibt auch die Dauer der Ausstellung offen.
Lukas Gschwandtner lebt und arbeitet in Wien. Ausgebildet in Raumgestaltung, Accessoire-Design und traditionellem Lederhandwerk, bewegt sich seine Praxis an der Schnittstelle von Möbeldesign, Skulptur und Szenografie. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen Radio Athènes, Athen (2025), Numeroventi, Florenz (2025), Peana, Mexiko-Stadt (2023) und Maniera, Brüssel (2021). Gschwandtner arbeitete unter anderem mit Acne Studios, Fendi, Lemaire und Dover Street Market zusammen. Sein erstes Bühnenbild entstand für 50 Minutes, geschrieben von Deborah Levy und inszeniert von Tine Milz, das 2025 am Theater Neumarkt in Zürich uraufgeführt wurde.
Möbelstücke etc. wird mit großzügiger Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport realisiert.
[1] Abbildung: Lukas Gschwandtner