
Becky Beasley, Eric Bell & Kristoffer Frick, Oliver Laric, Mark Leckey, Simon Martin and Ed Atkins, James Richards, Jimmy Robert, Sean Snyder.
Die Ausstellung The Imaginary Museum verknüpft Arbeiten junger Künstler mit einer ortsspezifischen Installation antiker Gipsabgüsse. Das Display der Abgüsse rekonstruiert eine Installationsansicht, die 1932 in den Räumen des heutigen Kunstvereins – damals war dort das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke beheimatet. Ganz beiläufig verschränkte der Fotograf zwei Arten der Reproduktion miteinander – Abgussverfahren und Fotografie –, die im 20. Jahrhundert, einer von der Moderne geprägten Ära, schwierig zu verbinden waren. Durch das anachronistische Moment, das solche Sammlungen auszeichnete, und die Wertlosigkeit, die dem Material innewohnt, führte die Gipskopie innerhalb des kritischen Diskurses nur ein Schattendasein.
In dem für die Ausstellung publizierten Text Das imaginäre Museum der Gipsabgüsse unterzieht nun der Kunsthistoriker Sven Lütticken Abgusssammlungen und deren Einfluss auf die Vorgehensweisen zeitgenössischer Künstler hinsichtlich ihres Umgangs mit Referenzen auf Bildquellen sowie deren Reproduktionen ausüben, einer Neubewertung.
The Imaginary Museum nimmt diesen Text als Ausgangspunkt für eine Untersuchung über die Bedeutung von Gipsabgusssammlungen innerhalb einer zeitgenössischen Kunstproduktion.
Supported by Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke, München
The exhibition is funded by:
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
British Council
Suspended closure, suspended
by Jimmy Robert
No discursive option since the adversaries are invisible
An open plan to clearly balance judgements
Automatic responses to organised pleasure
Structuring abstractions to imitate logic
Denying emotions nonetheless or rather intentionally
Gendering abilities to negotiate a path
Radical juxtapositions, yes radical juxtapositons
Allow the patriarchal figure to fade in
Please do not turn back
Allow yourself to slightly despise myths and constructs
Have your cake and eat it
Yes we can, yes we can…so we might just
The show must go on
‘Walk in an exaggerated manner around the perimeter of a square’
‘We’re nightclubbing, we walk like a ghost, we learn dances, brand new dances’
You are just ‘a slave to the rhythm’
Pursue beauty to its lair and slay it in amorous transports
Rouge noir garlands as though in a hurry, suddenly cornered at the foot of a
concrete slab
voicing uneven words of discontent
Helping masses of shapeless ideas to filter through
Decide for yourself and render the images sharper
Find comfort in the formulaic
Negating years of radicalism, showing society its spectacle once again
Identifiable references are bound to please, think of western subjectivity
The sole vivid note, now collapsing into a fathomless pit
Top, bottom or maybe versatile
Sophisticated range of submission or domination
The pink truth of positions
Observe the hyper-sensitivity of a brain fried by nitrates
Enjambements and other literary devices, do highlight the distance between us
Dishevelled hirsute after love
Suspended closure, suspended
Das imaginäre Museum der Gipsabgüsse
Sven Lütticken
In ganz Europa kann man die verstreuten Überreste dessen sehen, was einst einen bedeutenden Aspekt der europäischen Kultur ausmachte – die Gipsabgusssammlungen antiker (zumeist griechischer oder römischer) Skulpturen. Im 19. Jahrhundert noch allgegenwärtig, stufte die Moderne sie dann aber zu etwas Peinlichem herab, zu etwas total Altmodischem und Unkünstlerischem, das mit lebendiger Kunst nichts zu tun habe. Im 19. Jahrhundert hingegen, im „Goldenen Zeitalter“ der Abgusssammlungen, kamen ihnen zwei zentrale Funktionen zu: Zum einen vermittelten sie der allgemeinen Öffentlichkeit im Museumskontext einen Überblick über die Geschichte der Skulptur, die eine Sammlung mit Originalen so nie hätte bieten können. Zum anderen waren sie im Akademiekontext für die Studenten Studienobjekte, die es zu kopieren und denen es damit letztlich nachzueifern galt. In den Jahrzehnten um 1900 liefen diese beiden einander überlappenden Funktionen dann aber Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Einführung
Bart van der Heide
In der Ausstellung The Imaginary Museum (Das imaginäre Museum) verknüpft der Kunstverein München Arbeiten junger Künstler mit einer ortsspezifischen Installation antiker Gipsabgüsse aus dem Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München.
Das Display der Statuen rekonstruiert eine Installationsansicht, die 1932 in einem der Räume des heutigen Kunstvereins München aufgenommen wurde. Damals fungierte er als Ausstellungsraum der Gipsabgusssammlung und präsentierte die Kopien antiker Statuen. Ganz beiläufig verschränkte der Fotograf zwei Arten der Reproduktion miteinander – Abgussverfahren und Fotografie –, die im 20. Jahrhundert, einer von der Moderne geprägten Ära, schwierig zu verbinden waren.